Brennpunkte der Piraterie
Den Golf von Aden und die Westküste Afrikas hat das International Maritime Bureau (IMB) als Brennpunkte der Piraterie im Jahre 2008 ausgemacht. Es sei die höchsten Anzahl an Piratenattacken seit Beginn der IMB-Aufzeichnungen im Jahre 1992. An der Spitze der traurigen Rangliste: die Küste Somalias und der Golf von Aden mit einer Zahl von 111 Piratenattacken. Zweiter gefährlicher Brennpunkt ist die Westküste Afrikas mit Nigeria.
News zur Piraterie der Deutschen Seemannsmission
vom 30.07.10
Zur aktuellen Lage der Piraterie
Seit dem die Zahl der Attacken auf Handelsschiffe und ihre Besatzungen durch Piraten in 2009 weltweit ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, wurde verstärkt mit Vereitelung und Bekämpfung dieses Verbrechens reagiert. Reedereien und Mannschaften meiden zum Teil die betroffenen Gebiete. Sie setzen zudem bei der Durchfahrt auf Prävention, unter Anwendung von Empfehlungen der International Maritime Organization (IMO) zum Verhalten in gefährdeten Gebieten und kooperieren mit Marinekräften von "Mission Atalanta", NATO und anderen Nationen vor Ort. So sind laut aktuellstem Bericht des International Maritime Bureau (IMB) die Anzahl der versuchten Angriffe im Jahresvergleich zurückgegangen, was im Golf von Aden auch auf die Militärische Präsenz zurückzuführen sei. Doch auch die Piraten rüsten weiter auf. Zuletzt weiteten Piraten Somalischer Herkunft ihre Operationsgebiete deutlich aus und waren in der Lage, Gebiete in bis zu 1.000 Seemeilen Entfernung von der Somalischen Küste zu erreichen. Außerhalb der Internationalen Schutzkorridore waren ihre Angriffe häufiger erfolgreich. Weltweit seien somit in 2010 von Januar bis Juni 31 Entführungen zu verzeichnen gewesen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es ebenfalls 31. Gefangennahmen hätte es in diesem Jahr sogar 597 gegeben, verglichen mit 561 im Jahr 2009. Schiffe unter Deutschem Manage-ment waren von Angriffen 28 Mal und damit 2010 am zweithäufigsten betroffen.
Quelle: "Piracy Report" für das zweite Quartal 2010 des International Maritime Bureau (IMB) - Piracy Reporting Centre mit Sitz in Kuala Lumpur,
Malaysia.
Deutsche Seemannsmission befürchtet Eskalation der Gewalt vor Somalia
Der Vorstand der Deutschen Seemannsmission (DSM) spricht sich ausdrücklich gegen eine Bewaffnung von Seeleuten an Bord von Handelsschiffen aus. "Gleichzeitig halten wir die von der IMO empfohlene Maßnahme, in bestimmten Fällen über bewaffnete Militärs an Bord von Seehandelsschiffen nachzudenken, für keine geeignete Lösung zum Schutz von Seeleuten", gab der Vorstand in seiner letzten Sitzung zu Protokoll.
angestellt, wie die Situation vor Somalia verbessert werden könne. Meist seien jedoch Schiffe und deren Ladungen im Blick. "Die Deutsche
Seemannsmission macht besonders auf die Seeleute an Bord aufmerksam. Viele Seeleute sehen einer Fahrt durch den Golf von Aden mit Sorge entgegen, fürchten aber bei Verweigerung um ihren Arbeitsplatz. Manchmal haben sie keinen Mut mehr, ihrer Familie zu sagen, wo das Schiff fährt, um diese nicht unnötig zu beunruhigen. Das kann kein Zustand auf Dauer sein!", sagte sie.
Training durchzuführen und zur Wachsamkeit Hilfestellung zu geben, z.B. durch Aufstockung der Besatzung für doppelten Ausguck." Der Vorstand der DSM sieht die Reeder in der Verantwortung im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht, Seeleute und deren Angehörige vor und nach potentiell belastenden An- und Übergriffen zu begleiten, beraten und unterstützen. Die leitende Pastorin, Heike Proske stellte abschließend fest: "Gezielte Vorbereitung, der Situation angepasste Besetzung während der Fahrt und geeignete Sicherheitsmaßnahmen an Bord, sowie Möglichkeiten der Verarbeitung eines eventuellen traumatischen Ereignisses, nicht nur bei deutschen Reedern, sind das Minimum von Schutzmaßnahmen für Seeleute."
Dieter Radtke (Schatzmeister), Pastorin Heike Proske (Generalsekretärin)
Ein Jahr Aktionsprogramm "Piraten: Bedrohung auf See"
Seeleuten konnte konkret geholfen werden - unterstützen Sie weiter einzelne
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Verstärkung der Seelsorge
Die Mitarbeitenden der DSM haben sensibel die starken seelischen Beeinträchtigungen der von Piraterie betroffenen Crewmitglieder im Blick gehabt. Es kam zu intensiven und notwendigen Seelsorgegesprächen mit diesen Menschen. Eine große Rolle spielte dabei der Umgang mit Gefühlen wie Angst und Ohnmacht, auch in Anbetracht der Notwendigkeit einer professionellen Arbeitshaltung und der Piraterie-Prävention.
Ausweitung der Schulung in Krisenintervention
Aufbau von lokalen Kompetenz-Netzwerken
Politische Forderungen
Lagebericht Piraterie
Perspektiven
Lagebericht Piraterie der Deutschen Seemannsmission
Nr. 4 vom 22.12.2009
(hier pdf-Version mit Foto downloaden)
Piraterie und Seeleute heute
Gespräch der Deutschen Seemannsmission mit Flottillenadmiral Thorsten Kähler über die aktuelle Bedrohung durch Piraterie im Golf von Aden.
Admiral Kähler war bis 11. Dezember 2009 in Northwood (England) als stellvertretender Kommandeur der EU-geführten Marinekräfte der Mission ATALANTA eingesetzt und ist neuer Kommandeur der Einsatzflottille 2 (Wilhelmshaven).
DSM: Was ist der Auftrag der EU-Mission ATALANTA, und was wird in diesem Rahmen für Seeleute an Bord von Frachtschiffen im Golf von Aden getan?
Der Anti-Piraterie-Einsatz auf hoher See am Horn von Afrika, hat die Verhinderung von Piraterie bzw. die Strafverfolgung im Falle von Piraterie zum Ziel. Dies beinhaltet insbesondere den Schutz der Schiffe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen und von anderem verletzlichen Schiffsverkehr im Golf von Aden. Darunter sind sehr viele Frachtschiffe im Europa-Asien-Verkehr, die z.B. Container mit Fracht aus bzw. für Europa geladen haben. Somit sind oftmals Europäische Interessen berührt. Geschützt werden jedoch auch Schiffe unter außereuropäischen Flaggen. Piraten sollen durch die Militärpräsenz abgeschreckt werden. Bei einem Nachweis von Akten der Piraterie bzw. von versuchter Piraterie wird die Strafverfolgung eingeleitet.
Wenn Marinesoldaten auf Seeleute treffen, die gerade aus Piratenhand freigelassen wurden, steht die einfache Frage: "Was braucht ihr?" und die Versorgung mit Dingen des alltäglichen Bedarfs im Vordergrund. Piraten rauben die Crews nämlich völlig aus, inklusive der Lebensmittel an Bord der Frachtschiffe. Ihnen wird auch eine medizinische Untersuchung durch Ärzte an Bord der Marineschiffe angeboten; denn entführte Mannschaften werden von Piraten in hohem Maße im Ungewissen über ihr Schicksal gehalten, um Druck auf die erpressten Reedereien auszuüben. Daraus entstandene seelische Verletzungen können zum Teil erst viel später erkannt werden. Das macht eine Langzeitbetreuung der Betroffenen notwendig. In dem riesigen Seegebiet vor Somalia müssen jedoch die wenigen Schiffe der Mission ATALANTA zum Schutz weiterer ziviler Schiffe beweglich sein. Sie können, über eine medizinische Erstuntersuchung hinaus, keine Nachsorge leisten. Diese liegt in der Verantwortung der Reeder.
DSM: Die Zahl der Piratenangriffe im Golf von Aden hat 2009 weiter zugenommen. Können Sie bestätigen, dass die Ursachen dafür an Land bzw. in der wirtschaftlichen Ausbeutung der regionalen Gewässer zu suchen sind, wie oft vermutet wird?
Die Ausbeutung des Meeres mag am Anfang der Piraterie vor Somalia ein Grund gewesen sein. Wie vor Ort Fischerei-Lizenzen vergeben werden, ist z.B. eine Frage. Die Soldaten in der Region konnten jedenfalls aktuell keine Ausbeutung des Meeres durch Fischer aus der EU beobachten. Heute ist dies eine Legende, mit der die Piraten ihre Verbrechen rechtfertigen. Sie sind Verbrecher und wollen auch in Zukunft mit diesen Verbrechen Geschäfte machen. Ursache für diese Strukturen ist eine fehlende Staatlichkeit an Land. Diese kann nur langfristig durch Veränderungen entstehen und Menschen dort brauchen eine andere Lebensgrundlage.
DSM: Wie sieht ihre vorläufige Bilanz der Erfolge und Misserfolge der Mission ATALANTA für 2009 aus?
Die Mission ATALANTA dauert jetzt insgesamt ein Jahr an, und ihr Erfolg ist auch von den Deutschen Reedern anerkannt. So hat sich die Sicherheit im Golf von Aden verbessert. Die Schiffe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen wurden geschützt. Alle durch die EU geschützten Schiffe wurden nicht piratiert und die Erfolgschancen der Piraten wurden insgesamt gedrückt. Dies sind die praktischen Auswirkungen. Daneben haben sich durch Koordinationsbemühungen die internationale Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen Nato, EU, China, Indien und anderen verbessert.
DSM: Welche Entwicklung wird vermutlich die Bedrohungslage für Seeleute vor Ostafrika nehmen? Sind die geplanten militärischen und politischen Maßnahmen ausreichend?
Die Piraten haben in diesem ersten Jahr der Operation ATALANTA gemerkt, dass das Leben für sie schwieriger wird. Wie sie darauf reagieren, bleibt offen. Jedenfalls ist 2010 eine militärische Präsenz ähnlich der in 2009 nötig, um den aktuellen Schutz zu erhalten.
DSM: Wie sieht, basierend auf Ihren Erfahrungen mit der Mission ATALANTA, ihre Wahrnehmung der Piraterieproblematik vor Westafrika aus? Zur Bekämpfung der zunehmend gewalttätigen Piraten werden dort aktuell verschiedenste Forderungen erhoben. Diese reichen von intensiveren diplomatischen Bemühungen in Richtung der Anrainerstaaten bis zu dem Ruf nach einem Militäreinsatz ähnlich der Mission ATALANTA.
Militärs sind nur die Umsetzenden. Bezüglich dieser Situation vor Westafrika müssen Politiker entscheiden. Im Falle Somalias hat die Regierung über die UN um Hilfe gerufen. Somit hängt die Entwicklung vor Westafrika vom politischen Willen der internationalen Gemeinschaft und der Anrainer wie z.B. Nigeria ab.
(Das Gespräch führte André Schlesselmann, Deutsche Seemannsmission, Referent für Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit)
Unterstützung für die Würde der Seeleute
Die Deutsche Seemannsmission setzt sich gemäß ihres Leitspruches "support of seafarers dignity" in weltweiten Gremien für die Würde der Seeleute ein. Dabei wird das Recht auf Unversehrtheit an Leib und Seele betont. Diese Forderung muss so friedlich und nachhaltig als möglich durchgesetzt werden. Dies hieße, vor allem bei den Ursachen der Piraterie anzusetzen und diese zu beseitigen. Anrainerstaaten in allen betroffenen Weltregionen, nicht nur am Horn von Afrika, müssen in die Lage versetzt werden, Piraten aufhalten und ihnen alternative Lebensperspektiven bieten zu können. Darüber hinaus sollte neben der Abwehr von Angriffen auch die Nachsorge für betroffene Seeleute einen höheren Stellenwert erhalten. Dieser Aspekt spielt in der bisherigen Diskussion keine Rolle.
Unterstützen Sie bitte mit Ihrer Spende die Vertretung der Anliegen von Seeleuten gegenüber der Politik und die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden in Krisenintervention, um Seeleuten, die Gefahren auf See ausgesetzt waren, gezielt helfen zu können. Sie können dies direkt auf der Internetseite www.bedrohung-auf-see.de und auf das nachfolgend angegebene Spendenkonto überweisen.
Links: Homepage der EU-geführten Marinekräfte der Mission ATALANTA
Lagebericht Piraterie der Deutschen Seemannsmission
Nr. 3 vom 26.11.2009
(hier pdf-Version mit Foto downloaden)
Unterstützung für die Würde der Seeleute
Die Nachricht vom Tod eines Seemannes nach einem Piratenüberfall auf die CANCALE Star vor der Küste des westafrikanischen Benin löst Trauer und Mitgefühl bei der Deutschen Seemannsmission (DSM) in Bremen aus.
"Wir sind in Gedanken und mit Gebeten bei der Familie des getöteten Seemanns und bei den anderen Crew-Mitgliedern, die zum Teil auch verletzt wurden. Hoffentlich können alle aus der Mannschaft bald zu ihren Familien nach Hause ", sagte Heike Proske, Generalsekretärin der in Bremen ansässigen diakonischen Einrichtung. Neben der medizinischen Versorgung körperlicher Folgen seien die psychologische Erstbetreuung und der Kontakt zu den Angehörigen vordringlich für die Seeleute.
Um Notfallseelsorge und Vermittlung von psychologischer Hilfe kümmert sich die DSM deshalb im Rahmen des Aktionsprogramms Piraten: Bedrohung auf See. "Mit der Flucht der Piraten ist dieses einschneidende Erlebnis noch nicht beendet. Das Leben der betroffenen Seeleute wird nie wieder so sein, wie es vor dem 24. November war. Die Ereignisse müssen be- und verarbeitet werden", so Proske. Sie hoffe deshalb, dass die Verantwortlichen eine sofortige Versorgung und Betreuung gewährleisten. Dies sei auch langfristig in den jeweiligen Heimatländern der Mannschaft aus vier Nationen notwendig.
Unterstützen Sie bitte mit Ihrer Spende die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden in Krisenintervention, um Seeleuten, die Gefahren auf See ausgesetzt waren, gezielt helfen zu können. Sie können dies direkt auf der Internetseite www.bedrohung-auf-see.de und auf das nachfolgend angegebene Spendenkonto überweisen.
Lagebericht Piraterie der Deutschen Seemannsmission
Nr. 2 vom 13.11.2009
(hier pdf-Version mit Foto downloaden)
Aktuelle Bedrohung auf See
Einer der Brennpunkte der Piraterie in 2009 sind die Küstengewässer vor Westafrika. Sowohl Handelsschiffe, als auch Fischerboote wurden dort bis Ende Oktober weit über 20 Mal von Piraten angegriffen, zum Teil mit Geiselnahmen und tödlichem Ausgang. Neuesten Meldungen des International Maritime Bureau (IMB) zufolge ist jedoch die Dunkelziffer, d.h. Attacken auf Seeleute und Schiffe die nicht gemeldet werden, in dieser Region sehr hoch. Im Frühjahr war die Lage dort bereits so akut, dass eine privatwirtschaftlich organisierte bewaffnete Gegenwehr auf zivilen Schiffen eingesetzt wurde. Dies lehnten einige Firmen und viele Seeleute entschieden ab. Deshalb trat die kamerunische Regierung mit entschiedenen Maßnahmen und internationaler Unterstützung der Piraterie entgegen. Sie stationierte gut ausgerüstete Militäreinheiten, was von den Seeleuten begrüßt wurde.
Piraterie und Seeleute heute
In dieser Region, genauer in Douala (Kamerun), befindet sich eine der weltweit 17 Auslandsstationen der Deutschen Seemannsmission (DSM), das "Foyer du Marin". Dort berichtete der kanadische Kapitän, genannt "Johnny" (Anmerkung: Name u. Herkunft geändert), von einem Überfall auf seine Mannschaft, die Crew eines Versorgungsschiffes für Ölplattformen. Es passierte auf offener See vor der Küste Kameruns: "14 Piraten kamen an Bord und nahmen uns alles weg - Mobiltelefone, Geld, Kleidung - alles", so der Kapitän. Die Piraten hätten nur sehr schlecht Englisch gesprochen bzw. Englisch vermischt mit einem lokalen Dialekt, was die Verständigung schwierig machte und ihn vermuten lässt, dass sie Nigerianer waren. Die Piraten seien schwer bewaffnet gewesen und hätten ihre Waffen auch als Schlagwerkzeuge gegen den Kapitän und seine Leute eingesetzt. Verschärft worden sei die Lage, da die Kriminellen unter Drogen standen und unberechenbar gewesen seien. In dieser lebensbedrohlichen Situation sei es die große Erfahrung des leitenden Offiziers gewesen, die ihn trotz aufkommenden Gefühlen der Angst, Wut und Hilflosigkeit die Nerven behalten ließ. "Es war gut, dass keiner an Bord Waffen hatte, weil die Piraten sich dadurch sicher gefühlt haben", stellte Johnny fest. Dann wurden die Besatzung sowie ihre Kabinen und die Brücke durchsucht und alle Wertgegenstände gestohlen. Daraufhin hätten die Piraten das Schiff ohne Einfluss von außen wieder verlassen. Über die verbliebene Bordtechnik konnte Johnny anschließend das Büro der Charterfirma an Land erreichen. Die Verantwortlichen dort hätten angemessen reagiert und so durfte das Schiff einen Hafen anlaufen. In Sicherheit konnte die Crew mit ihren Frauen bzw. Familien telefonieren und die Seeleute bekamen die Erstattung der Verluste zugesagt, die versichert sind. Sie hätten auch in die Heimat fliegen können, was sie jedoch ablehnten.
Unterstützung für die Würde der Seeleute
Für diesen Kapitän und andere Crewmitglieder war es wichtig, in der Folgezeit in das "Foyer du Marin" kommen zu können und das Geschehen anzusprechen. In seelsorgerlichen Gesprächen mit dem dortigen Stationsleiter, Seemannsdiakon Manfred Kühle, konnte dem Groll und der erlebten Ohnmacht Raum zur Verarbeitung gegeben werden. Auch das mitfühlende Beisammen-Sein und der Austausch mit anderen Seeleuten im Seemannsheim der DSM war wichtig. Nur von einem Offizier der Mannschaft ist bekannt, dass er seinen Dienst in diesen Gewässern quittiert hat.
Unterstützen Sie bitte mit Ihrer Spende die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden in Krisenintervention, um Seeleuten, die Gefahren auf See ausgesetzt waren, wie Kapitän Johnny, gezielt helfen zu können. Sie können dies direkt auf der Internetseite www.bedrohung-auf-see.de und auf das nachfolgend angegebene Spendenkonto überweisen.
Links: "Foyer du Marin" Douala
Lagebericht Piraterie der Deutschen Seemannsmission
No 1 vom 07.10.2009
(hier pdf-Version mit Fotos und Tabellen downloaden)
Piraterie und Seeleute heute
Die Deutsche Seemannsmission (DSM) startete unter dem Namen "Piraten : Bedrohung auf See" ein Aktions-Programm, um Seeleuten in der Gefahr der modernen Piraterie zur Seite zu stehen und über den Alltag von Seeleuten aufzuklären. Aufklärung ist notwendig, da die öffentliche Wahrnehmung von Piraten historisch gewachsen und geprägt ist, in Deutschland vor allen Dingen gewachsen durch Klaus Störtebeker: Der "Held der Meere", der ja immer als der "Gute" dargestellt wird oder als der "Robin Hood" der Meere. Aber Störtebeker war nicht nur ein "Guter", sondern auch ein ganz normaler Verbrecher und Pirat. In aktuellen Verfilmungen, wie "Pirates of the Caribbean" ist dieses Bild jedoch heute noch so. Zudem gibt es historisch auch die Idee, dass Piraten eine Art Gemeinschaft sind, in der sie alles teilen und füreinander sorgen. Das hört sich alles sehr schön an und hat sich deshalb zum Teil weiter getragen in die heutige Zeit, insbesondere in Geschichten für Kinder. Diese Aspekte tragen dazu bei, dass Piraten in der Öffentlichkeit ein positives Bild haben. Dieses positive Bild der Piraten wird an Bord von modernen Handelsschiffen natürlich verworfen. Piraten gibt es leider wirklich, und sie sind gefährlich. Sie haben z.B. im Golf von Aden vor Somalia ehemalige Fischerboote (skiffs) mit großen Motoren und Navigationshilfen hochgerüstet, tragen automatische Waffen und haben eine leistungsfähige mafiose Logistik und Finanzierung im Hintergrund.
Aktuell von Piraten bedroht
Piraten: Bedrohung auf See - Zähler: Weltweit werden Informationen gesammelt und Statistiken zu Angriffen auf Crews und deren Entführungen geführt, die einen Eindruck von der anhaltenden Brisanz der aktuellen Lage vermitteln:
2007 2008 1. Hj.`09
Pirateriefälle 263 293 240
Geiseln 292 889 561
Getötete Seeleute 5 11 6
Vermisste Seeleute 3 21 8
Schiffe entführt 63 42 31
Angriffe nach Region 2008 1. Hj.`09
Golf v. Aden u. Somalia 111 130
Nigeria 40 13
Indonesien 28 3
Quelle: "Piracy Report" 2008 u. 2009 des International Maritime Bureau (IMB) - Piracy Reporting Centre mit Sitz in Kuala Lumpur, Malaysia. Das IMB ist eine Spezialabteilung für Kriminalität auf See der Internationalen Handelskammer (International Chamber of Commerce (ICC)) in London.
So sind die Fälle von Piraterie (siehe vorstehende Tabelle) von 2007 bis 2008 um 11% angestiegen und haben trotz internationaler Gegenmaßnahmen in 2009 bereits am 23. September mit über 294 Fällen die Vorjahresmarke überschritten. Bis zu diesem Datum sind im laufenden Jahr 34 Schiffe entführt und zeitweise 559 Seeleute als Geiseln gehalten worden. Zu jenem Zeitpunkt hielten allein Somalische Piraten noch immer vier Schiffe mit 82 Crewmitgliedern in ihrer Gewalt und hatten bereits vier Mannschaftsangehörige getötet. Gründe dafür sind die anhaltende Schwäche der Somalischen Staatsmacht, eine stetig verbesserte Ausrüstung der Piraten in der Region und deren erhöhte Reichweite in dem Seegebiet. Dass eine konsequentere Politik der Anrainerstaaten sich positiv auswirkt, zeigen die Zahlen Nigerias bzw. Indonesiens. Von den Angriffen sind alle Schiffstypen mit unterschiedlichen Fahrtgeschwindigkeiten und Bordwandhöhen betroffen gewesen, wobei am häufigsten Massengutfrachter und Tanker Ziele der Attacken waren. Was Herkunft und Betrieb der Schiffe angeht, spiegeln die Zahlen die Häufigkeit der Flaggenzugehörigkeit und Marktanteile von Staaten im Schiffsmanagement wieder. Daher sind Schiffe unter Deutschem Management mit 41 Fällen in 2008 bzw. 38 im ersten Halbjahr 2009 am häufigsten von Piraterie betroffen.
Leider melden immer noch nicht alle angegriffenen Mannschaften einen Vorfall an die zuständigen Behörden, da die Schiffsführungen zeitraubende Ermittlungen von Behörden fürchten und die Managements bzw. Reedereien zu erwartende höhere Versicherungsprämien scheuen. Somit können Polizei, Militärs und Seelsorger nicht helfen, andere Besatzungen in der betroffenen Region werden nicht gewarnt und das Lagebild bzgl. Piraterie bleibt bruchstückhaft.
Arbeit an Bord
Wenn Seeleute einen Piratenangriff erlebt haben oder ihn fürchten müssen, sollten Sie diese Situation verarbeiten, um nicht nur zu verdrängen. Durch Verdrängung würden sie unter Umständen ihre psychische und physische Gesundheit und zugleich die Arbeitsfähigkeit auf Dauer riskieren. Kontakt zur Familie in der Heimat, Seelsorgegespräche, Ablenkung und Ruhe wären in diesem Fall notwendig. Sie sind jedoch in der Bordroutine gewöhnlich schwer zu finden. Zudem verhindern die z.T. sprachlose "Männerwelt" an Bord der Schiffe und "back-to-work" Anweisungen einiger Führungskräfte eine professionelle Nachsorge.
Unterstützung und Hafen für die Würde der Seeleute
Für Seeleute ist der "Erstkontakt Seemannsmission" sehr wichtig, denn es ist eher selten, dass Seeleute kommen und sagen: "Ich habe ein Problem". Während der Bordbesuche oder in den Seemannsclubs bzw. -heimen sind daher Gespräche der Seemannsdiakoninnen und -diakone sowie der Pastorinnen und -pastoren, als auch Kontakte der Ehrenamtlichen mit den Crews von großer Bedeutung. Dabei erfahren sie manchmal, dass Seeleute von Ängsten belastet oder als Piraterieopfer traumatisiert sind. Sie können dann im Rahmen einer Notfallseelsorge mit Betroffenen arbeiten und vermitteln weitergehende Hilfen. Um die Gesprächs- und Seel-sorgekompetenz der DSM-Mitarbeitenden zu stärken, findet in Kürze ein "Crisis Preparedness"-Seminar statt.
Links: IMB Live Piracy Map 2009
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