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Brennpunkte der Piraterie

Piraten sind eine Geißel der Meere und Bedrohung für Seeleute. Die Raubritter der Globalisierung haben auf hoher See die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten am Horn von Afrika, vor Somalia und der Westküste Afrikas.

Den Golf von Aden und die Westküste Afrikas hat das International Maritime Bureau (IMB) als Brennpunkte der Piraterie im Jahre 2008 ausgemacht. Es sei die höchsten Anzahl an Piratenattacken seit Beginn der IMB-Aufzeichnungen im Jahre 1992. An der Spitze der traurigen Rangliste: die Küste Somalias und der Golf von Aden mit einer Zahl von 111 Piratenattacken. Zweiter gefährlicher Brennpunkt ist die Westküste Afrikas mit Nigeria. Dort wurden 40 Vorfälle im Jahre 2008 verzeichnet. Nach DSM-Informationen gab es im Golf von Guinea in den ersten Monaten 2009 bereits 51 Überfälle auf Versorger oder Ölplattformen - wobei man davon ausgehen kann, dass viele Überfälle nicht bekannt werden.

Interview mit Seemannsdiakonin Martina Platte, Internationaler Seemannsclub Hongkong über die Bedrohung durch Piraterie und dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit: „Klaus Störtebeker. Der ‚Held der Meere’, der ja immer als der ‚Gute’ dargestellt wird oder als der ‚Robin Hood’ der Meere. Aber auch Klaus Störtebeker war kein ‚Robin Hood’ oder kein ‚Guter’, sondern ein ganz normaler Verbrecher und Pirat, der genauso Frauen vergewaltigt und Menschen getötet hat, wie alle anderen Piraten auf der Welt auch und wie es heute noch ist. Dann gibt es historisch auch diese Idee, dass Piraten so eine Art Gemeinschaft sind, wo sie alles teilen und wo sie füreinander sorgen. Das hört sich alles ganz toll an und hat sich auch zum Teil noch weitergetragen in die heutige Zeit. Das sind ein Paar Aspekte, die dazu beitragen, dass Piraten in der Öffentlichkeit ein positives Bild haben. Dieses positive Bild der Piraten wird an Bord (Anm. von Handelsschiffen) natürlich verworfen. Das hat aber auch etwas damit zu tun, dass Seefahrt im Allgemeinen, in der Öffentlichkeit, nicht so wahrgenommen wird, wie sie tatsächlich stattfindet. Also zum Beispiel sagen Seeleute oft: „Wenn ich das an Land erzähle, glaubt mir das kein Mensch!“. Sachen, die passieren aber wirklich an Bord. Auch heute ist es immer noch so, dass Seeleute als Berufsgruppe eigentlich mehr ein negatives ‚Label’ haben an Land. Deswegen meine ich, ist die Wahrnehmung da auch verschoben und für die Seeleute ist das eigentlich schon normal, dass ihre Berufsgruppe und das was auf See passiert, nicht so wahrgenommen wird, wie es ist. … Die öffentliche Wahrnehmung muss sich verändern. Piraterie gehört zum Beispiel genau so zu den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie Genozid oder Folter. Wenn so etwas passiert ist immer ein Aufschrei in der Öffentlichkeit, aber Piraterie wird immer noch belächelt. Einer von den Seeleuten hat schon vor Jahren gesagt: „Wenn zum Beispiel eine Flugzeugentführung stattfindet, dann gibt es da tagelang Schlagzeilen in der Zeitung und wenn ein Schiff entführt wird, interessiert das keinen Menschen."

Siehe das ganze Video eines Interviews mit Martina Platte zum Aktionsprogramm auf YouTube (4.26 Min.)

Prof. Kapt. Peter Irminger, Institut für Nautik - Hochschule Bremen über den Umgang mit moderner Piraterie: „ …ob man mit großen Kriegsschiffen ein so lukratives Geschäft, wie die Piraterie – da geht es ja doch um Millionen – ganz wegkriegt, wage ich zu bezweifeln. Man kann es vergleichen mit der Mafia. Die Mafia gibt es auch immer wieder. Man kann sie ab und zu bekämpfen, aber sie taucht immer wieder auf, sie ist zu lukrativ. Richtig helfen würde meines Erachtens in der Tat ein Aufbau des Staates Somalia, dass hier auch die Justiz wieder funktioniert. Das also auch hier eine abschreckende Maßnahme umgesetzt werden kann. Denn überall da, wo rechtsfreier Raum ist, da fühlen sich Piraten sehr wohl. Sie können sich also ohne Probleme entfalten."

Siehe das ganze Video eines Interviews mit Prof. Irminger zum Aktionsprogramm auf YouTube (5.36 Min.)

 

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Mehr zum Thema

Der Tanker Sirius Star wurde 2008 von somalischen Piraten gekapert. Hier geht es zu einem Interview aus dem „Verdi report Schifffahrt“ 02/2009, S.4-6 mit James Grady, dem Zweiten Ingenieur über seine 57-tägige Gefangenschaft.

 

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